Mittwoch, 1. Juni 2011

Ein Gartenfest

Morgen ist es soweit. Ein befreundetes Pärchen hat angefragt, ob sie sich für einen Geburtstag unseren Garten ausleihen dürfen. Es kommen lauter Leute, die mein Mann und ich noch nicht kennen. Zum Glück werden uns die Gastgeberpflichten abgenommen, so dass wir uns nicht um Speisen und Getränke kümmern müssen.
Gut, einen Salat und Kräuterbutter steuere ich natürlich bei. Aber ansonsten habe ich nichts mit der Feier zu tun... Denkste!
Wir waren doch erst vor einiger Zeit im Urlaub. Dementsprechend sah der Garten auch nach zwei einhalb Wochen Vernachlässigung aus. Nicht, dass irgendwas eingegangen wäre, denn gegossen wurde gut. Alles was wachsen sollte, ist auch gewachsen. Darüber freue ich mich sehr. Allerdings ist auch alles gewachsen, was nicht wachsen sollte. Sprich: Wir hatten haufenweise Unkraut. Das musste jetzt in Akkordarbeit entfernt werden. Der Rasen musste gemäht werden. Die Tische abgeputzt und die Rumpelecke aufgeräumt werden. Wir mussten also den Garten auf Vordermann bringen.
Ich glaube, das ist uns halbwegs gelungen. Ich habe die Gunst der Stunde genutzt und endlich die Stühle bestellt, die für die Sitzecke noch fehlten. Montag sind sie dann auch angekommen:


Das Bild ist leider etwas hell geworden, aber die Stühle gefallen mir wirklich gut. Jetzt müssen nurnoch die Pflanzen um die Sitzecke schön groß werden, damit das Ganze auch gemütlich aussieht. Bis dahin soll ein Gardinenschal das Bild ein wenig auflockern, denn bis morgen werden die Pflanzen wohl nicht groß genug sein. Für den Tisch muss ich mir auch noch eine bessere Deko einfallen lassen.
Das Gemüsebeet war auch so ein Problemfall. In meiner Fachliteratur steht, dass freiliegender Boden eines der schlechtesten Dinge für einen Garten ist. Es gibt drei Lösungen für dieses Problem: Mulchen, Flächenkompostierung und Lebendmulch. Lebendmulch bedeutet, dass die Mischkultur so deckend gepflanzt wird, dass kein Boden sichtbar bleibt. Leider müssen dafür die Pflanzen erst groß genug werden. Die Flächenkompostierung ist mit für den Boden am besten, denn so werden ihm direkt die Nährstoffe wieder zugeführt, die zuvor von den Pflanzen aufgenommen wurden. Dabei erntet man das Gemüse und putzt es an Ort und Stelle. Die Putzabfälle wie Blätter und Wurzeln werden einfach zurück aufs Beet gelegt. Eine mir sehr sympathische Methode, die allerdings leider nicht sehr ordentlich aussieht. Und so habe ich mich dann doch zumindest für die Zeit des Gartenfestes für das Mulchen entschieden. Und zwar mit gehäckseltem Leinstroh. Das bekommt man oft in Läden für Pferdebedarf in 20kg Ballen. Erfahrung hab ich damit noch keine, aber die Struktur des Strohs gefällt mir sehr gut und es soll auch sehr gute Wasserspeichereigenschaften haben. Außerdem sieht es ordentlich aus:


So kann die Feier kommen. Vielleicht kommt ja sogar das eine oder andere Gartengespräch zustande. Wir werden sehen.

Achso, da dies hier ja eigentlich ein Gartenblog ist, werde ich meinen Urlaubsbericht nicht in meinem Blog weiterschreiben. Ihr findet aber rechts in der Navigationsleiste einen neuen Unterpunkt: Ein Urlaubsbericht. Alle Interessierten können dort hin und wieder vorbeischauen. Ich werde mich bemühen die Geschichte nach und nach weiterzuschreiben.

Sonntag, 22. Mai 2011

Ein Urlaubsbericht (Teil 2)

Da waren wir also, auf einer unbekannten Insel, mitten im Irgendwo (im Nirgendwo konnte sie schließlich nicht sein, denn irgendwo waren wir ja), wussten nicht wieso und wohin und hatten außer den Flugbegleitern und den anderen Passagieren auch noch niemanden gesehen, gar nicht erst zu reden von einem Einheimischen, dem wir all die bohrenden Fragen hätten stellen können, die uns nun im Kopf herumgeisterten. Das sollte sich jedoch bald ändern.
Wir entdeckten eine Hinweistafel mit den Worten 'Ausgang/Zu den Unterkünften' und einem Pfeil, der in Richtung einer wirklich dunklen Türöffnung zeigte. Wäre diese Hinweistafel nicht so eindeutig gewesen, ich hätte diese Tür für eine Besenkammertür oder etwas Ähnliches gehalten. So schauten wir uns jedoch nur kurz skeptisch an und durchschritten dann kurzentschlossen die Tür. Eine weise Entscheidung, denn tatsächlich war dies der Ausgang. Die Dunkelheit rührte daher, dass draußen mittlerweile die Sonne untergegangen war. Zum Glück regnete es keinen Honig mehr. Das Außengelände des Flughafengebäudes war nur spärlich beleuchtet. Bis auf eine Rampe, die in helles Scheinwerferlicht getaucht war und mit deutlich in ihre Richtung zeigenden Leuchtpfeilen gespickt ein Stück entfernt lag. Es war offensichtlich, dass von uns erwartet wurde, diese Rampe empor zu klettern. Gut, dass wir vom Flughafengebäude noch keine Sicht auf das dahinter Liegende hatten, denn ansonsten hätten wir uns wahrscheinlich doch noch entschlossen, einfach zusammengerollt in einer Ecke des Flughafens auszuharren und den nächst möglichen Flug zurück zu nehmen.
Kaum hatten wir die Rampe jedoch bestiegen, bot sich uns der Ausblick auf den 'Fuhrpark' des Flughafens. Nun, Fuhrpark ist hier nicht das richtige Wort. Man sollte vielleicht eher Gestüt sagen, obwohl auch das nicht ganz passend wäre. Zu sehen bekamen wir raupenähnliche Tiere. Zumindest ihr Körper erinnerte entfernt an Schmetterlingsraupen. Unter diesem Körper befanden sich jedoch an jedem Raupenglied Pferdebeine. In hoher Geschwindigkeit jagten die Tiere über ihre Koppel. Die Anzahl der Beine variierte dabei nach der Länge der Raupen. Später sollte ich erfahren, dass die Tiere sich während dieses Lebensstadiums einige Male häuten und jedesmal ein weiteres Raupenglied samt Beine hinzugewinnen.


Sind sie ausgewachsen, verpuppen sie sich, um sich nach dem Schlüpfen als goldene Ringelschwanzerdmännchen mit geschuppten Liebellenflügeln von 10m Spannweite für 20 Minuten zum Paarungsflug in die Luft zu erheben und anschließend in einem goldbestäubten Feuerwerk zu explodieren. Während unseres Urlaubs durften wir ein einziges Mal dieses Schauspiel beobachten und ich glaube, ich werde nie wieder etwas Beeindruckenderes und gleichzeitig Traurigeres zu sehen bekommen.
Von all diesen Dingen ahnten wir in diesem Moment jedoch noch nichts. Was ich aber im selben Moment wusste, wie mein Mann es aussprach, war: "Das sind Beelnags!". "Genau das wollte ich auch gerade sagen." Verwirrt schauten wir uns an. Der Telepathische Universalübersetzer hatte uns scheinbar nicht nur ermöglicht, sämtliche Sprachen der Erde zu verstehen und fließend zu sprechen, er hatte uns zusätzlich auch noch die Namen aller Tiere, Pflanzen und Gegenstände dieser Insel eingepflanzt.
Nun eines dieser Beelnags stand an der Rampe. Auf seinen Rücken waren simple Stühle ohne Beine gebunden und von uns wurde offensichtlich erwartet, auf einem dieser Stühle Platz zu nehmen. Unser Fahrer saß auch schon am Steuer. Er war ein Xorluk und damit der erste Einheimische den wir trafen. Die Xorluks waren eine Minderheit auf Plantoffia. Sie bekamen häufig die begehrten Jobs als Beelnag-Fahrer, da sie sich aufgrund ihrer Statur perfekt an die auf den Beelnags befestigten Stühle anpassten, waren ihre Hinterteile doch beinahe rechtwinklig und hatten an den Seiten leichte Geschwulste, welche das seitwärts Verrutschen auf den Stühlen verhinderten.
Unseren Hinterteilen fehlte leider diese Angepasstheit und so versuchte jeder von uns eine möglichst sichere Position auf den Beelnagstühlen zu finden. Meine Strategie bestand darin, die Beine im Schneidersitz unter der Sitzfläche zu kreuzen und die Arme hinter der Rückenlehne zu verschränken. Nicht sonderlich bequem, aber wenn man Angst um sein Leben hat, nimmt man das gerne in Kauf. Andere Strategien waren das krampfhafte Festklammern der Finger an den Seiten der Sitzfläche, oder das rittlings auf den Stuhl setzen um die Lehne zu umklammern. Damit ging allerdings einher, nicht zu sehen, wohin der Beelnag galoppierte. Während wir unterwegs waren, wünschte ich mir auch hin und wieder diesen Umstand genießen zu können. Das hätte mir einige Male das krampfhafte Zusammenpressen meiner Augenlieder erspart.
Aber das erzähle ich euch dann im nächsten Teil.
(Fortsetzung folgt)

Freitag, 20. Mai 2011

Ein Urlaubsbericht (Teil 1)

Wir hatten einen etwas seltsamen Urlaub. Alles begann damit, dass unser Flug schon in Frankfurt etwa zwei Stunden Verspätung hatte. Etliche Anschlussflüge unserer Mitflieger mussten umgebucht werden. Wir machten uns allerdings keine Sorgen, da wir bis zu unserem Anschlussflug in Madrid etwa fünf Stunden Aufenthalt hatten. Kurz vor unserer Abreise hatte die Fluggesellschaft unseren Anschlussflug auf einen späteren Flug umgebucht. Das erste mal, dass ich etwas misstrauisch wurde, war, als der Mann am Einscheckschalter seltsam lächelte, als er uns unsere Flugscheine ausstellte. Schnell verwarf ich aber alle Gedanken, die mir in diesem Augenblick durch den Kopf schossen und erzählte nicht einmal meinem Mann davon. In Madrid die Wartezeit hatte sich durch unsere Verspätung natürlich verkürzt, aber das war nicht allzu schlimm. Um etwas zu essen reichte es allemale noch. Dann ging es zum Weiterflug auf die Kanaren. Brav zeigten wir unsere Flugtickets dem Personal und - wieder ein seltsames Lächeln. Kurz runzelte ich die Stirn, doch wieder ließ ich alle Gedanken darüber fahren. Was sollte denn auch schon sein? Ich hatte mir das bestimmt nur eingebildet.
Im Flugzeug spürte ich eine seltsame Erregung unter allen Pasagieren, die ich mir nicht recht erklären konnte und die ansteckend war. Gleichzeitig hoffte ich jedoch, der Flug möge schnell vorbei sein, da wir schon einen langen Tag hinter uns hatten und ich endlich auf den Kanaren ankommen wollte. Deswegen saß ich meine Zeit im Flugzeug einfach ab, las ein wenig und wartete auf den unvermeidlichen Druck in den Ohren, wenn das Flugzeug den Sinkflug einleitet. Schließlich war es so weit. Ich schaute kurz aus dem Fenster. Es dämmerte bereits und war sehr wolkig. Die Aussicht lohnte sich nicht. Also lehnte ich mich zurück und wartete geduldig darauf, aussteigen zu dürfen. Das Flugzeug landete, ich schnappte mir meinen Rucksack und trottete hinter meinem Mann her zur Andockstation. Schon im Flugzeug hörte man ein stetiges Trommeln auf das Dach. Im Vollverglasten Andocktunnel schaute ich also etwas entnervt nach Oben und wünschte mir den Regen fort und konnte meinen Augen nicht trauen. Große Tropfen, gelb und klebrig wie Sirup fielen aus den Wolken und rannen die Scheiben herunter wie Gelee. Was war das denn? Auch mein Mann und die anderen Fluggäste hatten das seltsame Schauspiel schon entdeckt und deuteten immer wieder in den Himmel. Seltsamen Regen hatten die hier. Ich hoffte, mir das klebrige Zeug später nicht aus den Haaren waschen zu müssen, wir hatten nämlich keinen Schirm mitgenommen. Wir folgten den Pfeilen richtung Ausgang, in der Hoffnung, nun auf etwas Normalität zu stoßen, doch auch die Hinweistafeln machten uns stutzig. Etliche Drei-Gewinnt Spiele waren aneinandergereiht.


Was das sollte, war mir nicht ganz klar. Die Tafeln hingen zu hoch, um als Besucherbelustigung zu dienen. Stifte gab es auch nirgends und außerdem waren die Felder ja auch alle schon ausgefüllt. An immer mehr solcher Tafeln kamen wir vorbei und mir wurde langsam klar, dass dies eine Art Schrift sein musste.
Ich habe ja schon viele verschiedene Schriften gesehen. Hebräisch, Chinesisch, Arabisch, Thailändisch..., aber noch nie eine wie diese. Außerdem wurde auf den Kanaren keine andere Schriftart benutzt. Zumindest nicht, soviel ich wusste. Ich drehte mich zu meinem Mann um und raunte ihm ins Ohr: "Ich glaube, wir sind gar nicht auf den Kanaren." Er konnte nur nicken und deutete etwas blass um die Nase auf einen seltsamen Apparat, in den nun jeder einzelne Passagier unserer Maschine hineingewunken wurde. Zuerst hielt ich das Ding für einen dieser Nackt-Scanner, doch dann wurde mir klar, dass das Gerät etwas anderes mit den Menschen anstellte, denn die, die wieder heraustraten wirkten wesentlich entspannter und nickten uns übrigen aufmunternd zu. Gehirnwäsche? Schoss es mir durch den Kopf und ich wollte mich schon panisch umdrehen und meinen Mann hinter mich herzerrend wieder Richtung Flugzeug rennen, um den Piloten anzuflehen, uns wieder zurück zu fliegen. Die anderen Passagiere schienen jedoch keine solchen Bedenken zu hegen und so wurde ich durch den schieren Andrang schließlich in diese Maschine bugsiert. Im hineingehen versuchte ich noch verzweifelt das Schild zu entziffern, das an der Maschine angebracht war, in der Hoffnung, dass die Drei-Gewinnt Spiele doch noch einen Sinn ergaben und ich erfahren würde, was gleich mit mir passieren sollte. Ich sah noch, wie mein Mann mir entsetzt hinterherschaute, konnte meinen Blick jedoch nicht lange von dem Schild wenden. Vielleicht würde sich mir doch noch ein Sinn erschließen.
Und tatsächlich, vor meinen Augen verschwammen die Drei-Gewinnt Spiele und wurden zu normalen Buchstaben und ich konnte dort lesen: 'Telepathischer Universalübersetzer'. Erleichtert und auch etwas verwirrt ob des plötzlichen Wissenszuwachses in meinem Kopf, ausgelöst durch das plötzliche Lernen sämtlicher Sprachen, egal ob ausgestorben oder nicht, nickte ich meinem Mann beruhigend zu. Nachdem auch er diese seltsame Prozedur hinter sich gebracht hatte, erkundeten wir das Flughafengebäude, welches, wie wir später feststellen sollten, 'europäisch' gestaltet war, um Neuankömmlinge nicht zu verschrecken. Wie auf jedem Flughafen gab es etliche Hinweistafeln. Der Einfachheit halber werde ich sie hier übersetzen, da ihr mit den Drei-Gewinnt Spielen wahrscheinlich nicht viel anfangen könntet. Außer, ihr seid auch schon einmal in einem telepathischen Universalübersetzer gewesen. Auf einem Schild konnten wir lesen: 'Ihr Gepäck wird Ihnen automatisch in ihre Unterkunft geliefert'. Auf einem anderen stand: 'Herzlich Willkommen auf der Insel Plantoffia!'. Plantoffia - soso. Nun, wir waren nicht schüchtern, bisher hatte uns niemand etwas getan und dies versprach ein Abenteuer zu werden. Außerdem waren wir fest entschlossen Urlaub zu machen. Wir mussten nurnoch herausfinden, warum wir hier gelandet waren, wo wir schlafen sollten und wie wir dort hin kommen... Draußen regnete es Honig... Und wo zum Geier liegt Plantoffia und warum hatten wir bisher nichts von dieser Insel gehört?
(Fortsetzung folgt)

Montag, 2. Mai 2011

Der Sonne hinterher...

... braucht man im Augenblick in dieser Gegend eigentlich nicht. Trotzdem fliegen wir ab morgen in den Urlaub. Ich freu mich schon. Das Wetter wird auf den Kanarischen Inseln zwar ähnlich frühlingshaft sein wie hier, aber die Nächte sind bereits etwas lauer. Und wir waren noch nie dort. Es gibt also viel zu besichtigen und zu wandern.
Trotzdem fliege ich auch mit einem weinenden Auge in den Urlaub, denn gerade im Augenblick tut sich ja so viel in der Natur. Ich hatte eigentlich etwas mit Löwenzahnblüten geplant und auch Holunderblüten standen auf der Verwertungsliste. Tja, nun kommt immer alles anders als man denkt. So muss ich diese Pläne jetzt auf das nächste Jahr verschieben. Ihr dürft euch dann auf neue Rezepte und Experimente freuen.
Über unseren Urlaub und die entdeckten botanischen Besonderheiten werde ich natürlich berichten, wenn wir wieder da sind. Und auch darüber, ob unser Garten überlebt hat. Wir geben ihn nämlich in die verantwortungsbewusste Obhut eines garten-unerfahrenen Pärchens. Aber es wird bestimmt alles gut gehen.
Nun denn, bis in ungefähr drei Wochen.
Eure Thab

Dienstag, 26. April 2011

Ach du meine Güte...

... jetzt ist es doch tatsächlich schon beinahe drei Wochen her, dass ich euch über etwas berichtet habe. Ich muss mich entschuldigen, aber leider hat mich das schöne Wetter an den Garten gefesselt. Dazu kamen einige Besuche und vorösterlicher Organisationswahnsinn. Dafür kann ich euch nun aber um so mehr berichten.
Ich fange mal mit dem Tag der Erde an. Der Tag der Erde ist alljährlich am 22. April. Er soll dafür da sein, dass jeder einmal über sein Konsumverhalten nachdenkt. Eine sehr sinnvolle Aktion, wie ich finde. Rund um den Tag der Erde wird in Kassel alljährlich an einem Tag und in wechselnden Stadtteilen eine Tag der Erde-Ausstellung veranstaltet. Dafür wird eine Straße für den Verkehr gesperrt und etliche Aussteller informieren über allerlei mehr oder weniger mit Umwelt verbundene Themen. Ich habe erst dieses Jahr vom Tag der Erde in Kassel erfahren und sofort beschlossen, ihn dieses Jahr zu besuchen. Diesmal war er am 17. April im Stadtteil Nordshausen. (http://www.tag-der-erde.net/)
Es gab sehr viel zu sehen, das Wetter war toll und die Straße mit Menschen gefüllt. Essensdüfte wehten über die Straße und ließen einem immer wieder das Wasser im Munde zusammenlaufen. Doch ich war nicht wegen des Essens gekommen, sondern wegen der Aussicht, einige Pflanzen für meinen Garten kaufen zu können. Und die fand ich dann auch. Ich erstand eine Ananaskirsche und eine gelbe Wildtomate.


Die Wildtomate fand ich am Stand meines Lieblingssaatversandhandels (Wildtomatenlink). Sie braucht nicht ausgegeizt werden und wird normalerweise auch nicht am Stock gezogen. Sie ist also so eine Art Bodendecker und angeblich sehr robust. Und sie trägt viele kleine Früchte. Ich bin mal gespannt.
An anderen Ständen waren noch allerlei seltene Pflanzen wie Jiaogulan, über das ich bereits berichtete (Klick), und Stevia zu finden. Die Ananaskirsche ist eine ähnliche Pflanze wie die Physalis. Sie reift nur eher, schmeckt etwas anders, bleibt kleiner und hat auch kleinere Früchte. Wenn sie mir gefällt, werde ich mir auf jeden Fall einige Samen für das nächste Jahr aufbewahren.
Im Garten gab es auch schon einiges zu tun. Wir fahren nächsten Monat für etwas über zwei Wochen in den Urlaub, so dass Etliches vorher erledigt werden muss. Wie etwa das sähen von Erbsen. Ich habe die Kapuzinererbse Blauwschokker gewählt, da sie schön hoch rankt und blaue Schoten bekommt. Die Erbsen darin sind aber trotzdem grün. Für diese Erbsen brauchte ich allerdings noch ein Rankgerüst. Die Schwierigkeit daran bestand darin, dass wir momentan kein Auto haben und alle Dinge per Muskelkraft in den Garten transportiert werden müssen. Umso passender war es, dass einige lange Äste beim Baumschnitt angefallen sind. Die wurden zu einem Rankgerüst improvisiert. Ehrlich gesagt gefällt es mir ziemlich gut. Es ist noch nicht ganz fertig und ich muss mal schauen, wie lange es durchhält, aber vielleicht lässt es sich ja sogar als längerfristige Lösung für Rankpflanzen benutzen.


Sobald es fertig und bewachsen ist, werde ich euch berichten, ob es funktioniert oder nicht. Bilder werden dann natürlich auch nachgeliefert. Einen weiteren Vorteil hat es noch: Wenn es erst bewachsen ist, wird es die ziemlich triste Wand unserer Gartenlaube verdecken.
Und dann habe ich noch einen Kartoffelturm gebaut. Nicht aus Autoreifen, wie ein Vorschlag aus meinem Permakulturbuch lautete, sondern aus einer Schilfmatte. Inspiriert hat mich dabei dieses Video:


Dazu habe ich erst etwa 2m der Bambusmatte zu einem Zylinder gedreht und diesen an den Seiten mit Draht zusammengebunden. Dann habe ich ihn an die Stelle gestellt, an der er stehen soll. Einige Steine am Boden haben mir geholfen, ihn in Form zu halten. Hinein kam zuerst eine 20-40cm Schicht Komposterde und Gartenerde.  Darauf legte ich die Setzkartoffeln. Darüber kam eine 20cm Schicht Heu. Anschließend wieder Erde, Kartoffeln, Heu, u.s.w. bis der Turm fast voll war. Ich glaube ich habe so an die 35-40 Kartoffeln in diesem Turm untergebracht.


Ich bin mal gespannt, ob das wirklich so funktioniert, wie die Anleitungen es beschreiben. Ein wenig Platz oben drauf musste ich lassen, weil meine Erde leer war. Mal schauen, ob ich den Turm einfach kürze oder nochmal welche hinzugebe. Es ist auf jedenfall eine gute Möglichkeit auf kleinem Raum viele Kartoffeln zu ernten. Vorrausgesetzt diese Turm funktioniert. Ich werde berichten.
Zum Schluss noch etwas erfreuliches. Ich habe mittlerweile 17 regelmäßige Leser. Seid alle ganz herzlich willkommen. Ich freue mich, dass ihr zu mir gefunden habt!

Donnerstag, 7. April 2011

Frühling läßt sein blaues Band...

Vor einiger Zeit, als ich vom Einkaufen zurück kam, entdeckte ich vor unserer Hauswand ein kleines blaues Blümchen. Entfernt erinnerte es an ein kleines Stiefmütterchen, also nahm ich an, dass es ein wildes Stiefmütterchen sein müsse. Eine seiner Blüten pflückte ich ab und zeigte sie ganz entzückt meinem Mann. "Ich glaube, das ist ein wildes Stiefmütterchen.", sagte ich zu ihm und hielt im das Blümchen unter die Nase. "Ich riech nichts.", antwortete er. Also roch ich auch mal daran. Und es roch lecker. Weil es so klein war, konnte man den Duft jedoch nur schwach wahrnehmen. Und an irgendwas erinnerte er mich. In dem Augenblick konnte ich aber noch nicht sagen woran. Das Ganze ließ mir jedoch keine Ruhe, und so googlete ich mal nach wilden Stiefmütterchen. Eine Ähnlichkeit war vorhanden und doch sah mein Blümchen etwas anders aus.
Zwischendurch nahm ich immer mal wieder einen tiefen Zug des Blütendufts und ließ meine Geruchsdatenbank vor innerer Nase vorbeiziehen. Und plötzlich wusste ich, woher ich diesen Duft kannte. Und zwar von den Lakritzdrops mit Veilchengeschmack. Na klar, kein wildes Stiefmütterchen, sondern ein Märzveilchen hatte ich gefunden.


Noch einige Zeit später kamen sie dann überall hervor und direkt schoss mir das Gedicht von Eduard Mörike durch den Kopf. Zusammen mit der Erinnerung daran, dass man die Blüten des März-, oder Duftveilchens auch für allerlei kulinarische Leckereien nutzen kann. Also schnappte ich mir ein kleines Körbchen und machte mich auf den Weg zur Wildwiese im Vorgarten. Dort hockte ich und pflückte eine Blüte nach der anderen. Eine vorbeikommende Nachbarin verglich mich mit dem Osterhasen. Ich weiß nicht genau, ob ich deswegen geschmeichelt sein soll, oder nicht.
Irgendwann meinte ich, genug Blüten gesammelt zu haben, denn für das Rezept, was mir vorschwebte, braucht man zwei Tassen voll Blüten. Zufrieden hielt ich meine Nase in das Blütenkörbchen und machte mich auf den Weg in die Küche.


Die Stängel der Veilchenblüten wurden sorgfältig entfernt und zwei Tassen voll Veilchenblüten in einen Topf gegeben. Achja, ich habe euch ja noch garnicht gesagt, was ich herstellen wollte: Ich hatte mich für Veilchenblütensirup entschieden. Ich dachte einfach, dass ich damit den Geschmack der Veilchen am besten konserviere und ihn am vielfältigsten einsetzen kann.
Naja, über die zwei Tassen Blüten wurden 500ml heißes Wasser gegossen. Das Ganze musste dann über Nacht stehen bleiben. Es war einfach herrlich, wie sich der Veilchenduft währenddessen in der ganzen Küche ausbreitete.


Einige Veilchen waren übrig geblieben. Also probierte ich, sie zu kandieren, indem ich sie durch Eiweiß zog und schließlich mit Zucker bestreute. Scheinbar bin ich nicht geschickt genug für soetwas, denn die Blüten klebten jämmerlich zusammen und sahen eher aus wie ein lila Knubbel, als wie eine kandierte Blüte. Also musste eine andere Idee her. Veilchenzucker. Genau! Einfach Zucker über die Veilchenblüten gestreut und die Zeit den Rest machen lassen.


Am nächsten Tag dann filterte ich die Blüten aus dem Veilchensud und gab diesen zurück in den Topf. Dazu kamen noch 500g Zucker und ein halber Teelöffel Zitronensäure. Dann wurde das Ganze auf kleiner Hitze eine Weile lang geköchelt. Wie lange genau kann ich euch leider nicht sagen. Das habe ich nach Gefühl gemacht. Die Flüssigkeit sollte auf jedenfall etwas reduzieren, damit das Ganze ein wenig dickflüssiger wird. Wie ein Sirup halt.


Danach, zur Konservierung noch heiß, in ein sauberes Fläschchen gefüllt und fertig ist der Veilchenblütensirup. Natürlich musste direkt mal gekostet werden. Lecker, sage ich euch, wirklich lecker. Passt bestimmt hervorragend zu Vanilleeis. Oder in einen Sekt. Oder man gießt ihn einfach mit Mineralwasser auf und genießt eine Veilchenblütenlimonade. Wie ich bereits sagte, die Möglichkeiten sind vielfältig. Leider ist die Ausbeute nicht sehr hoch, aber das mache ich nächstes Jahr auf jedenfall wieder.


Allein die Farbe ist schon toll. Und vielleicht probiere ich das Kandieren nächstes Jahr noch einmal. Ich kann zwischenzeitlich ja mit anderen Blüten üben. Oder ich geh noch mal Veilchen pflücken, auch auf die Gefahr hin, wieder für einen Osterhasen gehalten zu werden... noch blühen sie nämlich bei uns.

Freitag, 1. April 2011

Pappelapapp (Pappelblüte)

Letzten Sonntag, der Himmel war blau und die Luft roch nach Frühling, machte ich mit meinem Mann und einem befreundeten Pärchen einen erfrischenden Spaziergang in unentdeckte Gefilde. Zumindest bin ich selbst noch nie in diese Richtung gegangen. Manchmal ist es wirklich erstaunlich, was man alles entdeckt, wenn man mal aus alten Gewohnheiten ausbricht und einfach eine andere Richtung einschlägt. Dazu kam es auch nur, weil wir auf Schatzsuche waren. Genauer gesagt, haben wir einen Geocache gesucht. Mein Mann hat nämlich ein neues Spielzeug, mit dem man Längen- und Breitengrade via GPS genau lokalisieren kann. Das Gerät weist einem dann den Weg dorthin. Und an einigen dieser Punkte sind sogar Schätze versteckt. Wer mehr über Geocaching wissen will, kann sich auf dieser Seite darüber informieren.
Auf dem Rückweg machte ich noch eine Entdeckung und die war fast noch besser als jeder Schatz: Die Pappelblüte hat bei uns eingesetzt. Warum ich davon so begeistert bin? Nun, die Knospen, aus denen die Blüten quellen, fallen zu Boden, sobald die Blüten zu groß werden. Unter den jeweiligen Pappeln ist dann der ganze Boden damit bedeckt. Und wenn man sich so eine Pappelblütenhülse mal genauer anschaut, erkennt man eine orange, harzige Substanz an ihren Enden. Diese Substanz duftet herrlich! Nach Harz und Honig, irgendwie auch nach Propolis und wie Balsam. Einen Geruch, den man schwer beschreiben kann, den man einfach gerochen haben muss.


Es musste also eine Möglichkeit her, diesen tollen Duft zu konservieren. Und so bin ich mit einer Freundin vorgestern zum nahen See gelaufen, von dem ich noch vom letzten Jahr wusste, dass seine Ufer mit Pappeln gesäumt sind. Wir hatten uns Umschläge eingesteckt und haben diese, fleißig sammelnd, mit Pappelblütenhülsen gefüllt. Hier ein Teil unserer Ausbeute:


Ich hätte wirklich stundenlang an diesem Umschlag schnüffeln können. Doch wollten wir die Pappelblütenhülsen schnell weiterverarbeiten. Darüm füllten wir einen Teil in ein geleertes Schraubglas und gossen Korn darüber. Der darin enthaltene Alkohol wird die harzige Substanz lösen und damit den Duft haltbar und nutzbar machen.


Das Glas muss nun nurnoch eine Weile an einem warmen Ort stehen und hin und wieder geschüttelt werden, damit der Alkohol seine Wirkung entfalten kann. Er wird dabei immer dunkler und bekommt eine richtig schöne Färbung. Wenn das Ganze fertig und gefiltert ist, sieht es ungefähr so aus:


Die fertige Tinktur kann ähnlich wie Parfum einfach auf das Handgelenk getupft werden, oder auch in selbstgerührter Kosmetik als Duft- und Wirkstoff genutzt werden. Genau - Wirkstoff. Die Pappelblütenhülsen riechen nämlich nicht nur gut, die Pappel hat neben anderen Wirkungen auch eine adstringierende und entzündungshemmende Wirkung. Normalerweise werden zwar die jungen Blattknospen geerntet und verwendet, doch habe ich festgestellt, dass der Duft der Blütenhülsen einfach noch intensiver ist. Darum verwende ich diese lieber. Hier kann man Einiges über die Heilwirkung der Pappel nachlesen.
Da ich gerne Cremes selber rühre, habe ich testweise einen Teil der Blütenhülsen auch in Öl eingelegt, denn Öl lässt sich in Cremes einfach besser verwenden als Alkohol, auch wenn ein geringer Anteil Alkohol in einer Creme nicht schädlich ist und sogar konservierend wirkt. Aber bei dem Duft kann ich da einfach nicht genug von bekommen.
Nun denn, der nächste Cremerühranfall kann kommen!
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