Freitag, 1. April 2011

Pappelapapp (Pappelblüte)

Letzten Sonntag, der Himmel war blau und die Luft roch nach Frühling, machte ich mit meinem Mann und einem befreundeten Pärchen einen erfrischenden Spaziergang in unentdeckte Gefilde. Zumindest bin ich selbst noch nie in diese Richtung gegangen. Manchmal ist es wirklich erstaunlich, was man alles entdeckt, wenn man mal aus alten Gewohnheiten ausbricht und einfach eine andere Richtung einschlägt. Dazu kam es auch nur, weil wir auf Schatzsuche waren. Genauer gesagt, haben wir einen Geocache gesucht. Mein Mann hat nämlich ein neues Spielzeug, mit dem man Längen- und Breitengrade via GPS genau lokalisieren kann. Das Gerät weist einem dann den Weg dorthin. Und an einigen dieser Punkte sind sogar Schätze versteckt. Wer mehr über Geocaching wissen will, kann sich auf dieser Seite darüber informieren.
Auf dem Rückweg machte ich noch eine Entdeckung und die war fast noch besser als jeder Schatz: Die Pappelblüte hat bei uns eingesetzt. Warum ich davon so begeistert bin? Nun, die Knospen, aus denen die Blüten quellen, fallen zu Boden, sobald die Blüten zu groß werden. Unter den jeweiligen Pappeln ist dann der ganze Boden damit bedeckt. Und wenn man sich so eine Pappelblütenhülse mal genauer anschaut, erkennt man eine orange, harzige Substanz an ihren Enden. Diese Substanz duftet herrlich! Nach Harz und Honig, irgendwie auch nach Propolis und wie Balsam. Einen Geruch, den man schwer beschreiben kann, den man einfach gerochen haben muss.


Es musste also eine Möglichkeit her, diesen tollen Duft zu konservieren. Und so bin ich mit einer Freundin vorgestern zum nahen See gelaufen, von dem ich noch vom letzten Jahr wusste, dass seine Ufer mit Pappeln gesäumt sind. Wir hatten uns Umschläge eingesteckt und haben diese, fleißig sammelnd, mit Pappelblütenhülsen gefüllt. Hier ein Teil unserer Ausbeute:


Ich hätte wirklich stundenlang an diesem Umschlag schnüffeln können. Doch wollten wir die Pappelblütenhülsen schnell weiterverarbeiten. Darüm füllten wir einen Teil in ein geleertes Schraubglas und gossen Korn darüber. Der darin enthaltene Alkohol wird die harzige Substanz lösen und damit den Duft haltbar und nutzbar machen.


Das Glas muss nun nurnoch eine Weile an einem warmen Ort stehen und hin und wieder geschüttelt werden, damit der Alkohol seine Wirkung entfalten kann. Er wird dabei immer dunkler und bekommt eine richtig schöne Färbung. Wenn das Ganze fertig und gefiltert ist, sieht es ungefähr so aus:


Die fertige Tinktur kann ähnlich wie Parfum einfach auf das Handgelenk getupft werden, oder auch in selbstgerührter Kosmetik als Duft- und Wirkstoff genutzt werden. Genau - Wirkstoff. Die Pappelblütenhülsen riechen nämlich nicht nur gut, die Pappel hat neben anderen Wirkungen auch eine adstringierende und entzündungshemmende Wirkung. Normalerweise werden zwar die jungen Blattknospen geerntet und verwendet, doch habe ich festgestellt, dass der Duft der Blütenhülsen einfach noch intensiver ist. Darum verwende ich diese lieber. Hier kann man Einiges über die Heilwirkung der Pappel nachlesen.
Da ich gerne Cremes selber rühre, habe ich testweise einen Teil der Blütenhülsen auch in Öl eingelegt, denn Öl lässt sich in Cremes einfach besser verwenden als Alkohol, auch wenn ein geringer Anteil Alkohol in einer Creme nicht schädlich ist und sogar konservierend wirkt. Aber bei dem Duft kann ich da einfach nicht genug von bekommen.
Nun denn, der nächste Cremerühranfall kann kommen!

Kommentare:

  1. Wirklich ein interessanter Post! Kennst Du das Buch das Parfum von Patrick Süßkind - Du solltest es einmal lesen!

    lg kathrin

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  2. Ich muss gestehen, ich habe noch nie dran gerochen. Aber den Duft der Pappelblätter im Herbst mag ich sehr.
    VG
    Elke

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  3. Das Pappeln so toll duften wusste ich gar nicht... schon wieder was dazu gelernt. Schade aber, dass es bei uns keine Pappeln in der Nähe hat. Jäh nu, Frau kann einfach nicht alles haben.
    Wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche.
    Liebe Grüsse
    Alex

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  4. Das hört sich ja toll an. Hab noch nie drauf geachtet, dass Pappeln blühen, wie die Blüten aussehen etc. Da mach ich mich doch mal auf den Weg zu den Pappeln.
    Und toll, wie du den Duft konservierst. Wenn ich diese Hülsen gesammelt habe, werde ich die Konservierung auch mal versuchen.
    Ich würde einen Ölauszug machen, um den Duft in meine Creme zu geben.
    Danke auch für den Pappel-Link, guck ich mir erstmal an.
    LG Heidi

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  5. Nochmal ich.
    Die Heilklräuter-site ist auch eine meiner Lieblingsseiten, die ich oft besuche...

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  6. Hallo du Kräuterfee, ich muß mich gleich mal bei dir eintrtragen...von der Pappel weiß ich noch wenig...
    Grüß dich auch auf meinem Blog!!!
    Astrid

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  7. Nun muss ich mich wieder zu Wort melden: gestern fuhr ich mit dem Rad durch die Wallachei. Auf dem Boden, gleich neben der Straße erblickte ich sie: Pappelblüten. Sie leuchteten mir gold-rötlich entgegen. Nie im Leben wären mir diese Blüten aufgefallen, wenn ich nicht deinen Post gelesen hätte. Ich hab ein paar Blüten zusammengeschrapt und dran gerochen - Himmlisch. erinnert mich an das ätherische Öl des Linaloe-HOlzes. Lecker, sag ich dir. Leider war da kein guter Ernteplatz, aber ich werde gleich morgen mal zu einer anderen Pappelstelle fahren und gucken, ob ich fündig werde.
    Hab mein neues wissen auch gleich unter die Menschheit gestreut - verwundert waren sie, allesamt...
    LG Heidi

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  8. Das freut mich :) Die Blüten selber habe ich noch nicht verwendet, bisher nur die Hülsen. Aber schön, dass du den Duft auch so magst.
    Habe mit den Pappelblütenhülsen ja zusätzlich ein Öl angesetzt, nach der Anleitung auf der Kräuterseite. Das duftet auch himmlisch. Auch wenn Alkohol den Duft scheinbar noch besser löst, ist zumindest mein Eindruck.
    Liebe Grüße,
    Thab

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  9. Guten Abend Thab
    Hej, ich freu mich, dass du zu mir gefunden hast. Hab mich auch gleich bei dir umgesehen. Tja, alles was mit Garten zu tun hat, interessiert mich wirklich und drum ... komm ich doch gerne wieder bei dir vorbei.
    Hab einen gemütlich erholsamen Abend und sei ganz lieb gegrüsst
    Ida

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  10. Auch in der Baumheilkunde spielt die Pappel eine wichtige Rolle .

    Tschau Obi

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