Freitag, 20. Mai 2011

Ein Urlaubsbericht (Teil 1)

Wir hatten einen etwas seltsamen Urlaub. Alles begann damit, dass unser Flug schon in Frankfurt etwa zwei Stunden Verspätung hatte. Etliche Anschlussflüge unserer Mitflieger mussten umgebucht werden. Wir machten uns allerdings keine Sorgen, da wir bis zu unserem Anschlussflug in Madrid etwa fünf Stunden Aufenthalt hatten. Kurz vor unserer Abreise hatte die Fluggesellschaft unseren Anschlussflug auf einen späteren Flug umgebucht. Das erste mal, dass ich etwas misstrauisch wurde, war, als der Mann am Einscheckschalter seltsam lächelte, als er uns unsere Flugscheine ausstellte. Schnell verwarf ich aber alle Gedanken, die mir in diesem Augenblick durch den Kopf schossen und erzählte nicht einmal meinem Mann davon. In Madrid die Wartezeit hatte sich durch unsere Verspätung natürlich verkürzt, aber das war nicht allzu schlimm. Um etwas zu essen reichte es allemale noch. Dann ging es zum Weiterflug auf die Kanaren. Brav zeigten wir unsere Flugtickets dem Personal und - wieder ein seltsames Lächeln. Kurz runzelte ich die Stirn, doch wieder ließ ich alle Gedanken darüber fahren. Was sollte denn auch schon sein? Ich hatte mir das bestimmt nur eingebildet.
Im Flugzeug spürte ich eine seltsame Erregung unter allen Pasagieren, die ich mir nicht recht erklären konnte und die ansteckend war. Gleichzeitig hoffte ich jedoch, der Flug möge schnell vorbei sein, da wir schon einen langen Tag hinter uns hatten und ich endlich auf den Kanaren ankommen wollte. Deswegen saß ich meine Zeit im Flugzeug einfach ab, las ein wenig und wartete auf den unvermeidlichen Druck in den Ohren, wenn das Flugzeug den Sinkflug einleitet. Schließlich war es so weit. Ich schaute kurz aus dem Fenster. Es dämmerte bereits und war sehr wolkig. Die Aussicht lohnte sich nicht. Also lehnte ich mich zurück und wartete geduldig darauf, aussteigen zu dürfen. Das Flugzeug landete, ich schnappte mir meinen Rucksack und trottete hinter meinem Mann her zur Andockstation. Schon im Flugzeug hörte man ein stetiges Trommeln auf das Dach. Im Vollverglasten Andocktunnel schaute ich also etwas entnervt nach Oben und wünschte mir den Regen fort und konnte meinen Augen nicht trauen. Große Tropfen, gelb und klebrig wie Sirup fielen aus den Wolken und rannen die Scheiben herunter wie Gelee. Was war das denn? Auch mein Mann und die anderen Fluggäste hatten das seltsame Schauspiel schon entdeckt und deuteten immer wieder in den Himmel. Seltsamen Regen hatten die hier. Ich hoffte, mir das klebrige Zeug später nicht aus den Haaren waschen zu müssen, wir hatten nämlich keinen Schirm mitgenommen. Wir folgten den Pfeilen richtung Ausgang, in der Hoffnung, nun auf etwas Normalität zu stoßen, doch auch die Hinweistafeln machten uns stutzig. Etliche Drei-Gewinnt Spiele waren aneinandergereiht.


Was das sollte, war mir nicht ganz klar. Die Tafeln hingen zu hoch, um als Besucherbelustigung zu dienen. Stifte gab es auch nirgends und außerdem waren die Felder ja auch alle schon ausgefüllt. An immer mehr solcher Tafeln kamen wir vorbei und mir wurde langsam klar, dass dies eine Art Schrift sein musste.
Ich habe ja schon viele verschiedene Schriften gesehen. Hebräisch, Chinesisch, Arabisch, Thailändisch..., aber noch nie eine wie diese. Außerdem wurde auf den Kanaren keine andere Schriftart benutzt. Zumindest nicht, soviel ich wusste. Ich drehte mich zu meinem Mann um und raunte ihm ins Ohr: "Ich glaube, wir sind gar nicht auf den Kanaren." Er konnte nur nicken und deutete etwas blass um die Nase auf einen seltsamen Apparat, in den nun jeder einzelne Passagier unserer Maschine hineingewunken wurde. Zuerst hielt ich das Ding für einen dieser Nackt-Scanner, doch dann wurde mir klar, dass das Gerät etwas anderes mit den Menschen anstellte, denn die, die wieder heraustraten wirkten wesentlich entspannter und nickten uns übrigen aufmunternd zu. Gehirnwäsche? Schoss es mir durch den Kopf und ich wollte mich schon panisch umdrehen und meinen Mann hinter mich herzerrend wieder Richtung Flugzeug rennen, um den Piloten anzuflehen, uns wieder zurück zu fliegen. Die anderen Passagiere schienen jedoch keine solchen Bedenken zu hegen und so wurde ich durch den schieren Andrang schließlich in diese Maschine bugsiert. Im hineingehen versuchte ich noch verzweifelt das Schild zu entziffern, das an der Maschine angebracht war, in der Hoffnung, dass die Drei-Gewinnt Spiele doch noch einen Sinn ergaben und ich erfahren würde, was gleich mit mir passieren sollte. Ich sah noch, wie mein Mann mir entsetzt hinterherschaute, konnte meinen Blick jedoch nicht lange von dem Schild wenden. Vielleicht würde sich mir doch noch ein Sinn erschließen.
Und tatsächlich, vor meinen Augen verschwammen die Drei-Gewinnt Spiele und wurden zu normalen Buchstaben und ich konnte dort lesen: 'Telepathischer Universalübersetzer'. Erleichtert und auch etwas verwirrt ob des plötzlichen Wissenszuwachses in meinem Kopf, ausgelöst durch das plötzliche Lernen sämtlicher Sprachen, egal ob ausgestorben oder nicht, nickte ich meinem Mann beruhigend zu. Nachdem auch er diese seltsame Prozedur hinter sich gebracht hatte, erkundeten wir das Flughafengebäude, welches, wie wir später feststellen sollten, 'europäisch' gestaltet war, um Neuankömmlinge nicht zu verschrecken. Wie auf jedem Flughafen gab es etliche Hinweistafeln. Der Einfachheit halber werde ich sie hier übersetzen, da ihr mit den Drei-Gewinnt Spielen wahrscheinlich nicht viel anfangen könntet. Außer, ihr seid auch schon einmal in einem telepathischen Universalübersetzer gewesen. Auf einem Schild konnten wir lesen: 'Ihr Gepäck wird Ihnen automatisch in ihre Unterkunft geliefert'. Auf einem anderen stand: 'Herzlich Willkommen auf der Insel Plantoffia!'. Plantoffia - soso. Nun, wir waren nicht schüchtern, bisher hatte uns niemand etwas getan und dies versprach ein Abenteuer zu werden. Außerdem waren wir fest entschlossen Urlaub zu machen. Wir mussten nurnoch herausfinden, warum wir hier gelandet waren, wo wir schlafen sollten und wie wir dort hin kommen... Draußen regnete es Honig... Und wo zum Geier liegt Plantoffia und warum hatten wir bisher nichts von dieser Insel gehört?
(Fortsetzung folgt)

Kommentare:

  1. Ein spannender Urlaubsbericht! Ich freue mich auf die Fortsetzung!
    Ein wunderschönes Wochenende wünscht Dir Yvonne

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  2. Ein herrlicher Urlaubsbericht , warte auf die Fortsetzung von Urlaub auf - in Plantoffia .
    Wünsche dir einen schönen Abend und ein herrliches Wochenende.
    LG , Christine

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