Samstag, 13. August 2011

Effektive Mikroorganismen - Terra Preta - Teil 4

Jetzt sind doch tatsächlich schon mehr als drei Wochen vergangen, seit ich mein Bokashi angesetzt habe. Mittlerweile sollten die EM sich im Bokashi schön vermehrt und verteilt haben und meine Mischung fertig zum Einsatz sein.
Achja, der Einsatz. Ich habe euch ja noch garnicht erzählt, was ich mit meinem Bokashi machen möchte. Ich könnte ihn einfach so vergraben, und vererden lassen. Oder ich benutz ihn als Dünger. Auch für einen Bokashi-Küchenkomposter wäre die Mischung jetzt nutzbar. Aber erinnert ihr euch noch, dass Kohlestaub und -stückchen mit in der Mischung waren? Ich wollte euch ja noch erzählen, wieso ich Kohle mit in das Bokashi gemischt habe. Nun diese Kohle ist wichtig, wenn man den Versuch starten möchte, Terra Preta herzustellen. Nun ja, eigentlich müsste man von Terra Preta Nova sprechen, denn das ursprüngliche Rezept für Terra Preta ist verloren gegangen.
Ganz einfach gesagt, ist Terra Preta eine fruchtbare Schwarzerde. Das Besondere an Terra Preta ist, dass sie über einen sehr langen Zeitraum fruchtbar bleibt. Doch zunächst etwas zu ihrer Entdeckungsgeschichte: Der erste Europäer, ein Spanier, der den Amazonas befuhr, berichtete von großen Städten am Amazonas und schätzte ihre Einwohnerzahl auf 100 Millionen Menschen. Spätere Reisen in das Amazonasgebiet konnten diese Beobachtungen nicht bestätigen und auch Wissenschaftler hielten diese Einwohnerzahl für unwahrscheinlich. Eine so große Kultur hätte mehr Spuren hinterlassen müssen. Der Hauptgrund für die Zweifel war jedoch, dass der Boden Amazoniens, im Regenwald, ein armer Boden ist, auf dem Landwirtschaft in ausreichendem Maße nicht möglich wäre. Dann fand man jedoch in der Nähe von vielen entdeckten Ruinen einen sehr fruchtbaren schwarzen Boden, auf dem noch heute von den Einheimischen angebautes Obst und Gemüse sehr hohe Erträge bringt. Die Terra Preta. Ein künstlich geschaffener Boden, der selbst nach diesen Jahrhunderten immernoch fruchtbar ist und im Gegensatz zum Regenwaldboden die Nährstoffe sehr lange halten kann. Sich gar selbst regeneriert. Untersuchungen dieses Bodens haben ergeben, dass der relativ hohe Anteil an Holzkohle in diesem Boden für diesen Effekt verantwortlich sein dürfte. Seitdem gibt es verschiedenste Bemühungen, diesen Boden zu rekonstruieren. Für mehr Informationen und weitere Versuche in diese Richtung empfehle ich den Blog von Chaos Garten, der auch mit Terra Preta experimentiert hat.
Diese verblüffende Erde hat mich sehr fasziniert und so habe ich nach längeren Internetrecherchen ebenfalls beschlossen einen Versuch, Terra Preta herzustellen, zu wagen. Mein Weg soll nun über die Fermentierung führen. Und dafür brauchte ich Bokashi.
Doch nun zum Zustand, in dem ich mein Bokashi vorfand, als ich den schwarzen Sack öffnete, in dem die Herstellung stattfand. Es roch angenehm süßlich. Sogar so sehr, dass direkt eine Wespe angeflogen kam. An einigen Stellen hatte sich der "gute" weiße Schimmel gebildet. Ansonsten war die Konsistenz nicht sehr viel anders als zuvor. Und so sah das Ganze aus:


Um Terra Preta herzustellen braucht man jedoch nicht nur Kohle. Es ist wichtig, dass diese Kohle von Mikroorganismen besiedelt wird. Mischt man lediglich Kohle unter die Erde, kann dies sogar negative Effekte auf die Pflanzen haben. Da in der Schwarzerde im Amazonasgebiet auch Keramikscherben gefunden wurden, vermutet man, dass die Herstellung der Schwarzerde in Tonkrügen stattfand, die ohne Boden in die Erde eingelassen waren und mit Fäkalien, Küchenabfällen und gemahlener Kohle gefüllt wurden. Nach einer Weile wurden in diese Krüge Schirmpflanzen wie Bananenstauden gepflanzt, die die darunter angebauten Pflanzen beschatteten und mit zunehmender Größe irgendwann die Tonkrüge sprengten. In diesen Tonkrügen war durch Fermentation und Vererdung aus den Abfällen Terra Preta geworden.
Nun kann ich schlecht lauter Tonkrüge in meinem Garten vergraben und mit Abfällen füllen. Und Bananen sind hier leider auch nicht winterfest. Deswegen habe ich mir gedacht, dass ich mir das Prinzip des Bokashi-Küchenkomposters zu eigen mache. Es musste nur eine Variante gefunden werden, die auch für Gartenabfälle genug Platz bot. Um so glücklicher war ich, als ich diese 62L Futtertonne mit luftdicht schließendem Deckel fand:


Um sie fermentiertauglich zu machen, besorgte ich mir einen Pflanzenuntersetzer mit einem etwas größerem Durchmesser als dem des Bodens der Tonne. Dieser wurde durchlöchert und in die Tonne gelegt. Durch seinen etwas größeren Umfang rutschte er nicht bis ganz nach unten durch und schaffte so einen Raum, in den Flüssigkeiten, die beim Fermentieren entstehen, ablaufen können. Dies verhindert eine Verjauchung der Gartenabfälle und soll den offenen Boden der Tongefäße im Amazonasgebiet simulieren. Damit die Flüssigkeiten abgelassen werden können, bohrte ich noch ein etwas größeres Loch bodennah in die Tonne und verschloss es mit einem Korken.
Nun können die Garten- und Küchenabfälle eingefüllt werden. Auf jede Schicht Abfälle wird dann eine Schicht Bokashi gestreut. Dies bringt zum Einen die Kohle in den Abfall und zum Anderen beschleunigen die EM hoffentlich die Fermentation.


Natürlich habe ich die Tonne nicht sofort ganz voll bekommen. Trotzdem ist es wichtig, die Abfälle nach jeder Schicht schonmal zu verdichten, damit die Luftzufuhr minimiert wird. Und um die Luft des noch nicht gefüllten Raumes der Tonne vom Abfall fern zu halten, kann man am besten einen Müllsack mit Sand füllen und ihn auf die Abfälle legen. Das Gewicht des Sandes komprimiert die Abfälle dabei noch einmal. So kann man die Tonne nach und nach füllen.
Ist die Tonne voll, wird der Deckel geschlossen und das Ganze muss anschließend wieder mindestens zwei Wochen stehen um zu fermentieren. Zwischendurch sollte immer mal wieder die Flüssigkeit abgelassen werden. Diese Flüssigkeit ist übrigens ein hervorragender Flüssigdünger, der verdünnt wie jeder andere Flüssigdünger gegossen werden kann.
Ist das Ganze fertig fermentiert muss es zum Vererden eingegraben, mit Erde bedeckt oder im normalen Kompost nochmals kompostiert werden. Danach sollte es hoffentlich Terra Preta sein. Aber so weit bin ich noch nicht. Ich werde berichten.

EM - Teil 1
EM - Teil 2
EM - Teil 3 - Bokashi

Kommentare:

  1. Ich staune immer wieder über Deine interessanten Posts! Super!
    Einen wunderschönen Restsonntag wünscht Dir Yvonne

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  2. Klingt interessant. Auch von diesem Küchenkomposter-Prinzip hatte ich noch nichts gehört. Ich bin gespannt, welche Effekte zu erzielst!
    VG
    Elke

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  3. Guten Morgen liebe Thab
    Ein doch recht aufwendiges Exeperiment. Aber es scheint jetzt ja zu gelingen. Ich bin gespannt auf das Weitere.
    Und lieben Dank für deinen Kommentar. Du, also wenn du wieder mal Gelegenheit hast, mit Ton zu werkeln, dann mach es einfach. Macht uhsinnig Spass - aber auch das braucht seine Zeit.
    Ganz liebe Grüsse und hab einen guten Mittwoch.
    Ida

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  4. Hallo Thab,
    ich habe den Artikel schon vor einigen Tagen in meine Linksammslung zu privaten Terra-Preta-Experimenten aufgenommen. http://chaosgarten.blogspot.com/2011/08/leseempfehlungen-2-dies-das-und-terra.html

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  5. Sehr interessant, deine Posts über Terra-Preta. Seit ich darüber mal im Internet gelesen habe, bin ich am überlegen, wie ich so etwas auf meinem Balkon verwirklichen kann. Denn mit Eingraben ist bei mir leider nichts und der Wald zu einbuddeln ist zu weit weg - vielleicht geht das auch für Balkongärtnerinnen auf einen einfacheren Weg ??
    Liebe Grüsse - Brigitte

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  6. Hallo Brigitte,
    theoretisch ist das System auch auf Balkonen möglich. Man füllt einfach die Gefäße mit dem fertig fermentierten Material und gibt Erde darüber. Nach drei Wochen Ruhezeit sind sie dann bepflanzbar. In dem Fall wäre vielleicht ein solcher Bokashi-Küchenkomposter sinnvoll. Und ein Starterprodukt mit Kohle gibt es auch fertig zu kaufen. Es nennt sich Tria Terra. Auf Youtube findet man Videos, wie man solche Küchkomposter auch selber bauen kann. (Ähnlich wie meine Tonne, nur in klein). Wenn dann irgendwann alle Kästen voll sind, habe ich den Tipp gelesen, den Kompost einfach auf öffentlichen Grünflächen einzugraben. Oder die Nachbarn gleich mit versorgen. :)
    Liebe Grüße,
    Thab

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  7. HallO!
    Habe die 4 berichte mir GROSSEM Interesse gelesen....
    was ist nun geworden?
    Danke

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  8. Hallo,
    ein wirklich sehr interesante Experimente zu Terra Preta und Bokashi! Ich habe mir einen Küchenbokashi-Eimer gebastelt und werde das jetzt auch mal ausprobieren!
    Mach weiter so und viel Erfolg wünsche ich Dir!
    Christoph

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  9. Hallo, habe deine spannenden Experimente eben erst entdeckt- toll!
    Wie du hatte ich auch keine Lust, EMs zu kaufen...
    Da bei uns sowieso ein Milch- und einen Wasserkefir wohnen, habe ich im letzten Jahr mit diesen beiden EMs für den Garten hergestellt. Sicher eine andere Zusammensetzung als die Gekauften und sicher ohne Photosynthesebakterien
    - aber es hat super geklappt!

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